WAMS: Dann haben Sie sicher auch zehn Stück davon in Ihrer Sammlung?
Scher: Nein, leider, ich war jung und brauchte das Geld. Wir haben immer wieder gedreht, verkauft, reinvestiert.
WAMS: Letztendlich ist das aber auch Glück. Kann man mit Uhren dauerhaft Rendite machen?
Scher: Fünf bis zehn Prozent pro Jahr sind zu schaffen, wenn man sich mit einem Experten zusammensetzt.
WAMS: Wie schwierig ist das Geschäft?
Scher: Wir sind in der privilegierten Situation, dass wir uns über jeden freuen, der kommt. Gleichzeitig haben wir bei manchen, sehr seltenen Uhren den Luxus, auswählen zu können, wem wir etwas anbieten. Wir haben Kunden, die nett sind, hier gekauft haben und mit denen wir gerne essen gehen. Die rufe ich zuerst an.
WAMS: Muss ich mich als Kunden bei Ihnen vom Erdgeschoss in den 1. Stock hocharbeiten?
Scher: Nein. Aber Vertrauen ist wichtig. Manche kommen mit einer sehr klaren Vorstellung – fünf, sechs hochspezialisierte Modelle. Mit ihnen geht man gleich tief in die Beratung. Da geht es nicht darum, etwas zu verkaufen, sondern Leidenschaft zu verstehen und zu begleiten.
WAMS: Ist das Weihnachtsgeschäft wichtig?
Scher: Absolut. Da werden viele Uhren und Schmuckstücke zwischen 1500 und 25.000 Euro verschenkt. Aber: Selbst sehr wohlhabende Kunden kaufen zu Weihnachten selten Uhren für sechsstellige Beträge. Ausnahmen gibt es. Aber für die meisten Menschen sind 5000 Euro schon sehr viel Geld.
WAMS: Richtig liquide sind Uhren nicht. Wenn ich schnell Geld brauche, dauert es, bis sie verkauft sind.
Scher: Wenn es die richtige Uhr ist und wir sie geprüft haben, geht das oft innerhalb einer Stunde. Spätestens nach einem halben Tag. Ob man dabei Gewinn oder Verlust macht oder den Kaufpreis zurückbekommt, hängt vom Modell ab. Selbst wenn man nach zwei Jahren nur sein Geld zurückbekommt, hatte man zwei Jahre lang den Spaß, das Stück zu tragen. Aber eines ist richtig: in puncto Liquidität schlägt nichts die Aktie. Knopf drücken, weg ist sie.
WAMS: Wie kauft man seine erste Luxusuhr?
Scher: Suchen Sie sich einen guten Experten, lassen Sie sich beraten. Gehen Sie nicht einfach in einen Retail-Laden, der primär Neuware verkaufen möchte. Wofür ist die Uhr gedacht? Täglich? Für besondere Abende? Als Wertanlage? Viele merken erst im Gespräch, was sie wollen. Und dann erst sucht man das passende Modell.
WAMS: Geht es da hauptsächlich um Stil und Geschmack?
Scher: Unbedingt. Eine Uhr muss man anprobieren. Viele wirken in der Hand völlig anders als auf Fotos – eine Ming zum Beispiel lebt von ihrer Dreidimensionalität. Proportionen, Dicke, Gewicht – das muss man erleben.